Was bedeutet Momme bei Seide?
Was bedeutet Momme bei Seide?
19, 22 oder 25 Momme – kaum eine Angabe wird beim Seidenkauf so oft genannt und so selten erklärt. Hier erfährst du, was hinter der Zahl steckt, warum mehr Momme nicht automatisch besser ist und worauf es bei Seide wirklich ankommt: die Faser.
Das Wichtigste in Kürze
- Momme (mm) ist die traditionelle Gewichtseinheit für Seide – sie misst, wie viel Seide im Stoff steckt, nicht wie gut sie ist.
- 1 Momme ≈ 4,34 g/m² – 19 Momme wiegen rund 82 Gramm pro Quadratmeter.
- Für Bettwäsche & Kissenbezüge eignen sich 19–25 Momme. Leichtere Qualitäten fallen fließender und schmiegen sich an.
- Mehr ist nicht besser: Schwere Seide wird strukturierter und fällt weniger geschmeidig.
- Die Faser entscheidet: endlose Haspelseide aus der Mitte des Kokons, höchste Rohseidenqualität und gesunde Maulbeerblätter.
- Silk Couture: 21 Momme – ausschließlich aus Haspelseide.
Die Definition: eine japanische Gewichtseinheit
Momme (ausgesprochen „Mommi“, abgekürzt mm) stammt aus Japan und wird seit Jahrhunderten für Seide verwendet. Ursprünglich definiert über das Gewicht eines Seidenballens: Wiegt ein Stück Seidenstoff von 100 Yards Länge und 45 Zoll Breite genau ein Pfund, hat es 1 Momme.
Praktischer ist die Umrechnung in unser metrisches System: 1 Momme entspricht ungefähr 4,34 Gramm pro Quadratmeter. Damit kannst du jede Momme-Angabe sofort einordnen:
≈ 82 g/m² – leicht, fließend, besonders geschmeidig und blickdicht.
≈ 91 g/m² – etwas mehr Körper, fällt weiterhin weich und schmiegt sich an.
≈ 95 g/m² – dichter und schwerer, mit spürbar mehr Stand.
≈ 108 g/m² – sehr dicht und schwer, wirkt strukturierter und fällt weniger fließend.
Wichtig: Momme misst nicht die Dicke des Stoffes, sondern sein Gewicht – also wie viel Seidenfaser verarbeitet wurde. Über die Qualität dieser Faser sagt die Zahl nichts.
Momme-Werte im Überblick
| Momme | Gewicht | Charakter | Typische Verwendung |
|---|---|---|---|
| 6–12 mm | 26–52 g/m² | Hauchzart, teils transparent | Chiffon, Schals, Futterstoffe |
| 16 mm | ≈ 69 g/m² | Leicht, fließend | Blusen, Tücher, leichte Kleidung |
| 19 mm | ≈ 82 g/m² | Blickdicht, weich, sehr geschmeidig | Bettwäsche, Kissenbezüge, Nachtwäsche |
| 21 mm | ≈ 91 g/m² | Weich fallend, etwas mehr Körper | Bettwäsche & Kissenbezüge |
| 22 mm | ≈ 95 g/m² | Dichter, schwererer Fall | Bettwäsche & Kissenbezüge |
| 25 mm | ≈ 108 g/m² | Sehr dicht, strukturiert | Schwere Bettwäsche, Morgenmäntel |
| 30 mm | ≈ 130 g/m² | Schwer, wärmend, wenig Fall | Schwere Bettwaren, Interieur |
Für Bettwäsche und Kissenbezüge gilt als Faustregel: Unter 19 Momme solltest du nicht kaufen. Dünnere Qualitäten können durchscheinen und sind für den täglichen Gebrauch zu leicht. Seriöse Anbieter nennen den Momme-Wert offen. Fehlt die Angabe komplett, ist das ein Warnsignal.
Warum mehr Momme nicht besser ist
Viele Anbieter werben mit immer höheren Momme-Zahlen. Doch mit dem Gewicht verändert sich auch das Verhalten des Stoffes: Schwere Seide hält ihre Form, wirkt strukturierter und fällt weniger fließend. Leichtere Qualitäten legen sich dagegen weich um den Körper und fühlen sich luftiger an.
Auch die Weichheit hängt nicht am Gewicht. Wie glatt und geschmeidig sich Seide anfühlt, bestimmen vor allem Faserqualität, Webart und Veredelung. Eine schwere Seide aus mittelmäßiger Faser kann sich steifer anfühlen als eine leichtere aus erstklassiger Faser.
Deshalb arbeiten wir bewusst mit 21 Momme. Dieses Gewicht bietet genug Dichte für den täglichen Gebrauch und behält den geschmeidigen, fließenden Fall, der Seide so besonders macht.
Worauf es wirklich ankommt: die Faser
Eine Seidenraupe spinnt ihren Kokon aus einem einzigen, bis zu mehreren hundert Metern langen Faden. Doch nicht jeder Teil des Kokons liefert die gleiche Qualität:

Lose, unregelmäßige Fäden, mit denen sich die Raupe verankert. Nicht abhaspelbar – wird entfernt und höchstens zu Schappe- oder Bourretteseide versponnen.
Der endlose, gleichmäßige Faden, der am Stück abgewickelt wird: die wertvolle Haspelseide. Sie macht den Großteil des Kokons aus – und nur sie verwenden wir.
Kurze, feine Fasern direkt an der Puppe. Ebenfalls nicht abhaspelbar und nur als versponnene Seide nutzbar.
Stoffe aus Haspelseide sind glatter, glänzender und gleichmäßiger als Stoffe aus versponnenen Kurzfasern. Die höchste Güteklasse für Rohseide wird als 6A bezeichnet – sie steht für besonders lange, reine und gleichmäßige Filamente.
Gute Seide beginnt beim Maulbeerbaum
Seidenraupen fressen ausschließlich Maulbeerblätter. Studien aus der Seidenforschung zeigen: Der Nährstoffgehalt der Blätter beeinflusst, wie gesund sich die Raupen entwickeln, wie ergiebig die Kokons sind und wie hochwertig die Rohseide wird. Und die Qualität der Blätter hängt wiederum vom Boden ab, auf dem die Bäume wachsen.
Unsere Seide stammt von Maulbeerbäumen auf nährstoffreichen Böden und entsteht gemeinsam mit einem kleinen, traditionellen Betrieb, mit dem wir seit Jahren zusammenarbeiten.
Checkliste: So erkennst du hochwertige Seide
- Faser: endlose Haspelseide aus 100 % Maulbeerseide – keine versponnenen Kurzfasern.
- Rohseidenqualität: Angaben wie 6A sprechen für lange, gleichmäßige Filamente.
- Webart: Seidensatin (Atlasbindung) sorgt für die glatte, glänzende Oberfläche, die Haut und Haar schont. Mehr dazu in unserem Ratgeber Seide oder Satin.
- Momme: 19–25 für Bettwäsche – passend zum gewünschten Fall, nicht möglichst hoch.
- Verarbeitung: saubere Nähte, hochwertige Verschlüsse und farbechte Färbung.
Qualität, die du jede Nacht spürst
Unsere Kissenbezüge und Bettwäsche entstehen aus 100 % Maulbeerseide in 21 Momme – aus endloser Haspelseide, gemeinsam mit einem kleinen, traditionellen Betrieb. Seit über 15 Jahren.
Seidenkissenbezüge ansehen Standardgröße 40×80 cm ab 99 €Momme vs. Fadenzahl: der wichtige Unterschied
Bei Baumwollbettwäsche ist die Fadenzahl (Thread Count) das gängige Qualitätsmaß – sie zählt die Fäden pro Quadratzoll oder Quadratzentimeter. Bei Seide führt diese Zahl in die Irre: Seidenfäden sind so fein, dass sich hohe Fadenzahlen leicht erreichen lassen, ohne dass viel Seide im Stoff steckt.
Bei Seide ist Momme deshalb die aussagekräftigere Gewichtsangabe. Doch weder Momme noch Fadenzahl verraten, aus welchem Teil des Kokons die Faser stammt – und genau das entscheidet über Glanz, Glätte und Geschmeidigkeit.
Häufige Fragen zu Momme
Was bedeutet Momme bei Seide?
Momme (mm) ist eine traditionelle japanische Gewichtseinheit für Seide. Ein Momme entspricht etwa 4,34 Gramm pro Quadratmeter. Der Wert sagt, wie viel Seide im Stoff steckt – nicht, wie gut die Seide ist.
Wie viel Momme sollte Seidenbettwäsche haben?
Für Bettwäsche und Kissenbezüge eignen sich 19 bis 25 Momme. Leichtere Qualitäten um 19 bis 22 Momme fallen fließender und schmiegen sich an, schwerere wirken strukturierter. Wichtiger als die Zahl ist die Qualität der Seidenfaser.
Ist mehr Momme immer besser?
Nein. Mehr Momme bedeutet mehr Gewicht und Dichte. Der Stoff wird dadurch strukturierter und fällt weniger geschmeidig. Wie weich und glatt sich Seide anfühlt, hängt vor allem von der Faserqualität, der Webart und der Veredelung ab – nicht vom Gewicht.
Was ist besser: 22 oder 25 Momme?
Das hängt vom gewünschten Gefühl ab. 25 Momme (ca. 108 g/m²) ist schwerer und strukturierter, 22 Momme (ca. 95 g/m²) fällt etwas weicher. Wer ein leichtes, fließendes Schlafgefühl möchte, ist mit 19 bis 22 Momme oft besser beraten. Eine hochwertige Faser ist dabei wichtiger als ein höherer Wert.
Welche Momme hat die Seide von Silk Couture?
Silk Couture verarbeitet 21 Momme. Dieses Gewicht fällt besonders geschmeidig und liegt weich an. Verwendet wird ausschließlich endlose Haspelseide aus der Mitte des Kokons, hergestellt gemeinsam mit einem kleinen, traditionellen Betrieb.
Was ist Haspelseide?
Haspelseide ist der endlose Seidenfaden aus der Mitte des Kokons, der am Stück abgewickelt (abgehaspelt) wird. Sie ist die wertvollste Seidenqualität. Die lose äußere Schicht und die innerste Schicht des Kokons liefern nur kurze Fasern, die zu Schappe- oder Bourretteseide versponnen werden.
Beeinflussen Maulbeerblätter und Boden die Seidenqualität?
Ja. Seidenraupen ernähren sich ausschließlich von Maulbeerblättern. Studien zeigen, dass Nährstoffgehalt und Qualität der Blätter die Entwicklung der Raupen, den Kokonertrag und die Qualität der Rohseide beeinflussen. Die Blattqualität hängt wiederum stark vom Boden ab.
Was bedeutet 6A bei Maulbeerseide?
6A ist die höchste Güteklasse für Rohseide. Sie steht für besonders lange, gleichmäßige und reine Seidenfilamente. Momme beschreibt dagegen nur, wie viel Seide im Stoff steckt.
Was ist der Unterschied zwischen Momme und Fadenzahl?
Die Fadenzahl (Thread Count) zählt Fäden pro Fläche und wird vor allem bei Baumwolle verwendet. Momme misst das Gewicht der Seide pro Fläche und ist bei Seide die aussagekräftigere Größe.
Wie rechnet man Momme in g/m² um?
Momme-Wert mal 4,34 ergibt Gramm pro Quadratmeter. 19 Momme entsprechen etwa 82 g/m², 21 Momme etwa 91 g/m², 22 Momme etwa 95 g/m² und 25 Momme etwa 108 g/m².
Wie spricht man Momme aus?
Momme wird „Mommi“ ausgesprochen und mit mm abgekürzt. Der Begriff stammt aus Japan.
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